Assistenzhundehalterschule "el reto"


D. mit Zilly 12.8.2019   Das Leben mit K-PTBS, sozialer Phobie, Depressionen und Fibromyalgie ist unberechenbar und anstrengend. Ein Vollzeitjob. Und viele Therapeuten und Ärzte sind mit der Behandlung überfordert, für die Fibromyalgie gibt es noch nicht mal eine Behandlung. Viele Therapien und Klinikaufenthalte liegen hinter mir, aber gelebt habe ich trotzdem nicht. Es war ein Überleben, möglichst klarkommen und nicht untergehen. Meinen Master musste ich abbrechen und aufgrund der bestehenden Arbeitsunfähigkeit lebe ich jetzt mit einer vollen IV-Rente. Zugegeben, mein Blick in die Zukunft war nicht sonderlich positiv. Da ich ein lösungsorientierter Mensch bin, machte ich mich auf die Suche nach weiterer Hilfe. Und naja, wie soll ich sagen, sie ist im Dezember 2018 bei mir eingezogen und hat einfach mal so mein Dasein auf den Kopf gestellt. Und ich könnte nicht glücklicher sein, denn mit Zilly, meiner Assistenzhündin, ist eine Grosspudel-Hündin eingezogen, die so sehr lebt und im Moment ist, dass sie alleine durch ihre Anwesenheit mich dazu brachte, wieder zu leben. Zu Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Atmen.   Die Ausbildung begann schon vor dem Einzug von Zilly. Denn es gibt eine sehr sinnvolle und wichtige Regelung, die bereits im Vorhinein geklärt sein muss. Es geht um die Obhutsregelung. Es muss also ein Betreuungsplatz für den Hund gesucht werden. Einerseits für Zeiten, in denen ich als Halter aufgrund z.B einer akuten Krise, den Fürsorgepflichten nicht nachkommen kann. Andereseits geht es aber auch darum, dass der Hund zwei Tage in der Woche «Pause» hat. Also einfach Hund sein darf, nicht ständig mit der Nase und einem Ohr bei mir ist, um allfällige Veränderungen wahrzunehmen. Es ist aber zusätzlich auch wichtig für mich als Halter, alleine klar kommen zu können. Mich nicht nur auf meinen Hund zu verlassen. Und mich zu erholen. Jeder der einen Hund hat, weiss, wie anstrengend es sein kann, wenn man vom Tag geschafft ist, sich noch um seinen Gefährten zu kümmern. Man könnte also auch sagen, dass es eine eingebaute Sicherung ist, die dafür sorgt, dass beide gerne miteinander sind. Nicht überfordert, nicht ausgenutzt, nicht ausgepowert. Win-Win.   Wenn ich vergleiche, wie ich noch im November letzten Jahres überlebt habe, und wie ich jetzt unterwegs bin, so sehe ich vor allem, dass ich endlich wieder zu leben beginne. Ich unternehme Aktivitäten zusammen mit Zilly, die wären für mich ohne sie undenkbar gewesen. Wir gehen Spazieren, auch an Orte, die ich noch nicht kenne. Wir entdecken neue Lieblingsplätze. Ich kann wieder Auto fahren. Ich gehe Einkaufen. Ich spreche mit Menschen (Wenn auch nicht immer ganz freiwillig, so ein Pudel ist ein Menschenmagnet). Ich nehme an Trainings bei Reto teil, die in der Gruppe stattfinden. Ich plane Freizeitaktivitäten. Und das bisher Grösste, ich fahre zusammen mit Zilly in ein Hotel in Deutschland um den 1. August Knallern zu entgehen. Mit dem Auto.  Wenn ich mir ansehe, woher ich komme, nämlich von gar nicht mehr aus dem Haus gehen, dann sind das riesige Fortschritte, die ich nur dank Zilly geschafft habe.   Etwas weiteres, was sich massiv verändert hat, sind die Folgen der Fibromyalgie (chronisches Schmerz- und Erschöpfungssyndrom). Durch die konstante Bewegung, die ich mit Zilly habe, sind die Schmerzen zurückgegangen. Nicht weg, aber so, dass sie aushaltbar sind. Teilweise sogar in den Hintergrund rücken. Die Schmerzattacken, bei denen ich für mehrere Stunden lahmgelegt bin, vor Schmerzen und Kraftlosigkeit mich nicht mehr bewegen kann, sind deutlich zurückgegangen. Auch kann ich die Erschöpfungsphasen besser aushalten. Denn auch wenn ich an solchen Tagen nicht viel schaffe, so schaffe ich doch immer kurze Spaziergänge mit Zilly. Ich schaffe es, mich für sie aufzuraffen. Das führt zu einem besseren Gefühl, da ich nicht so stark mit mir hadere, weil ich wieder mal «nichts geschafft habe».   Reto gestaltet die Trainings und Aufgaben jeweils so, dass sie auf den aktuellen Stand von Zilly und mir angepasst sind. Er achtet stark darauf, dass wir nicht überfordert sind und ich uns nicht unter Druck setze. Die Protokolle der jeweiligen Stunde ermöglichen es mir, selbst wenn ich mich an Teile vom Training nicht erinnern kann, alles Wichtige nachzulesen. Zudem sehe ich jeweils auch, wo wir bei den einzelnen Aufgaben stehen, wo wir Fortschritte gemacht haben, und an was wir intensiver arbeiten müssen. Durch die wertschätzende, offene und direkte Art von Reto, weiss ich immer woran ich bin. Das ermöglicht es mir, obwohl ich grosse Schwierigkeiten habe zu vertrauen, mich auf ihn und seine Arbeit zu verlassen.   Die Ausbildung ist für mich eine grosse Herausforderung und viele von diesen meistere ich nur, weil Zilly mit dabei ist. Auch wenn sie gerade mitten in der Pubertät steckt und teilweise irgendwo mit ihrer Aufmerksamkeit ist. Dadurch, dass sie schon von Anfang an bei mir ist, haben wir eine Bindung entwickelt, die es uns ermöglicht, diese Zeit gut zu überstehen. Denn nicht nur ich muss momentan viel Geduld, Nerven und Verständnis mit Zilly haben. Sie muss genauso mit all meinen Schwankungen, Erschöpfungszuständen, Dissoziationen, etc. klarkommen. Ich sehe hier ganz klar, weshalb es so immens wichtig ist, dass der zukünftige Assistenzhund von Anfang an bei seinem Menschen lebt. Sie hat nie etwas anderes kennengelernt als mein «Normal», das heisst meine täglichen Hochs und Tiefs sind für Zilly nichts Ausgewöhnliches oder Stressiges. Wenn sie aber erst bei einem gesunden Halter aufgewachsen wäre, könnte sie diese teilweise extremen Zustände nicht aushalten.   Was ich wirklich unterschätzt habe, und nicht hören wollte (Reto hat mich von Anfang an gewarnt) ist das Umfeld. Wie die Menschen auf Zilly und mich reagieren werden. Was für verschiedenste Schwierigkeiten wir antreffen werden. Von Zutrittsschwierigkeiten, grenzüberschreitenden Kommentaren und Fragen, nervigen Mitmenschen, etc. Wir ecken oft an, und zwar meistens, ohne dass Zilly oder ich irgendetwas anderes machen, als unseren Tag zu bestreiten. Da ich selber aufgrund meiner Geschichte sehr sensibilisiert bin auf die Vielfältigkeit der Menschen und dass jeder sein Päckchen trägt, kam es mir im Traum nicht in den Sinn, dass genau diese Menschen so aufdringlich sein können. Sich so an Andersartigkeit stören können, dass es das Gegenüber, in dem Fall mich, derart verletzt, dass ich zusammenbreche. Daher denke ich ist es lohnenswert, sich ernsthaft mit dieser Thematik auseinanderzusetzten, sich vorzubereiten und bereits ein paar schlagfertige Antworten bereit hat.   Ich kann mittlerweile sagen, dass es die absolut richtige Entscheidung war, mich für einen Assistenzhund, für Zilly und für die Ausbildung mit Reto zu entscheiden. Zilly unterstützt mich durch ihre Präsenz und ihre Tasks, gibt mir Struktur und Vertrauen. Sie vertraut darauf, dass ich für sie genauso da bin, wie sie für mich. Und ich denke, das ist es, was die Beziehung zwischen Assistenzhund und Halter so besonders macht. Es ist ein Geben und Nehmen. Ein gemeinsam Etwas erreichen, Hürden überwinden, leben.   Ein Assistenzhund kann keine Wunder vollbringen oder heilen. Und die Ausbildung ist kein Zuckerschlecken. Es braucht viel Geduld, Ausdauer, Nerven und man wird stark mit sich konfrontiert (der Hund als Spiegel). Aber ein Assistenzhund kann das Teilchen sein, das einen Menschen wieder mit dem Leben verbindet.

 


L. mit Sam 03.07.2019 Wenn der Assistenzhund krank ist Es ist Tag 12 von Sams Läufigkeit. Anfangs blutete sie leicht und roch überhaupt nicht, so wie es sich für eine Hündin eigentlich gehört. Sie wurde etwas anhänglicher und war schneller müde und leicht unkonzentriert, aber sonst verhielt sie sich wie immer. Vor nicht ganz 3 Tagen fing es an das sie bis zu 23h am Tag schlief, nicht mehr rausgehen mochte und wenn wir draußen waren nachdem Pipi und Kot erledigt waren direkt wieder in die Wohnung zurückwollte. Da zu der Zeit auch ihr massiver Gestank angefangen hat und sie ja auch völlig schlapp war, habe ich sie zum Einkaufen und sonstigen Erledigungen Zuhause gelassen. Wenn es darauf ankommt ist mir die Gesundheit meines Hundes einfach wichtiger als meine Eigene. In den letzten drei Tagen bis heute konnte ich eine massive Verschlechterung meines eigenen Zustandes feststellen. So unglaublich ein Assistenzhund einem hilft und Sicherheit gibt, so schlimm ist es wenn einem diese Sicherheit fehlt. Zur generellen Verschlechterung meiner Psyche kommt noch dazu, dass ich mir seit dem TA Besuch wahnsinnige Sorgen um Sam mache. Daraus resultiert das ich gestern wie auch heute ein ganz schöner Springbrunnen bin. Was wiederum Sam dazu anregt mich trösten zu wollen und mir noch mehr ein schlechtes Gewissen beschafft. Schließlich ist sie doch diejenige der es nicht gut geht (wurde heute beim TA festgestellt) und ich sollte mich um ihretwillen zusammenreißen. Aber man kann eben nicht immer alles steuern wie man es gerne hätte, besonders nicht ein Hirn, das zumeist gegen einen arbeitet. Mit dem heutigen Tag musste ich nach Absprache mit dem Psychiater meine Medikamentendosis erhöhen und an eine geringerere Dosis ist erst zu denken, wenn es Sam wieder besser geht. Morgen müssen wir noch einmal zum Tierarzt gehen und egal ob sie nun etwas Schlimmeres hat als zZ vermutet oder nicht, die Zeit bis zur vollständigen Genesung wird sich hinziehen. Mit einem Assistenzhund holt man sich einen Fels in der Brandung ins Haus, eine Sicherheit und eine Stütze. Aber das bedeutet auch, das man umso mehr leidet, wenn er krank ist, fehlt und die Lebensqualität somit wieder eingeschränkt wird. Mein Hund ist für mich nicht einfach nur ein Tier, sie gehört zu meiner Familie und ist meine beste Freundin. Wenn sie krank ist, geht es mir genauso schlecht, da mir so unendlich viele Sorgen um sie und alles was passieren könnte im Kopf herum kreisen. Und natürlich findet man im Internet die besten Horrorszenarien was allessein und werden könnte, wenn…


R. mit Yaska 04.06.2019 Yaska ist meine 8 Monate alte Assistenzhündin in Ausbildung für meine Krankheit Narkolepsie mit Kataplexie. Sie ist ein Grosspudel und momentan mit einem Alter von 8 Monaten mitten in der Pubertät. Yaska wurde bereits als Welpe für mich ausgesucht und zog mit 11 Wochen zu mir. Die Anfangszeit war sehr anstrengend, doch ich wurde von Anfang an intensiv von meinem Ausbilder betreut und es zeigten sich schnell grosse Fortschritte. Unterdessen sind wir bereits ein eingespieltes Team, auch wenn sie momentan mitten in der Pubertät ist und wir noch am Anfang der Fachausbildung stehen. Eine von Yaskas Hauptaufgaben ist Reaktion auf Kataplexien. Mittlerweile kommt sie sofort zu mir und steht auch schon ziemlich zuverlässig über mich, wenn ich bewegungslos,  aber beim vollem Bewusstsein, am Boden liege. Sie wird allgemein immer aufmerksamer und bemerkt sogar kleine partielle Kataplexien. Da ich mich wie erhofft draussen sehr viel sicherer fühle und mich konstant auf den Hund konzentrieren muss, hat sich die Anzahl Kataplexien unterwegs tatsächlich stark verringert. Yaska zeigt seit einigen Wochen Schlafattacken, grosse Müdigkeit und starke Kataplexieanfälle immer zuverlässiger an. Das Anzeigen werden wir durch gezieltes Training festigen. Zudem lernt Yaska mich gewisse Wegstrecken, wie den Nachhauseweg, zu führen. Später wird sie weitere Aufgaben erlernen, wie mich im ÖV bei der richtigen Haltestelle aufzuwecken und mich bei sehr kurzen Strecken oder in Meetings wach zu halten. Übrigens kann ich mit Yaska wieder alleine in unserer Wohnung schlafen, ohne mir die ganze Nacht lang einzubilden, dass jemand einbricht und mich umbringt. Starke Albträume und Schlaflähmungen bemerkt Yaska seit neustem und weckt mich auf. Die Ausbildung ist auf jeden Fall eine Herausforderung für mich, trotzdem bin ich sehr froh, dass ich mich für einen Assistenzhund entschieden habe, da der allgemeine positive Effekt riesig ist und ich mich alleine endlich wieder sicher fühle

.