Assistenzhundehalterschule "el reto"

Team Yaska 02.09.2019

Reisebericht

Anfangs verlief alles nach Plan, sogar viel besser als erwartet. Wir kamen am Flughafen an, haben eingecheckt und sind ohne grosse Probleme durch die Security Kontrolle gekommen. Wie wir bereits beim Besuch der Besucherterrasse zusammen mit Reto feststellen mussten, ist der Umgang mit Assistenzhunden am Flughafen Zürich nicht besonders professionell und es wird verlangt, dass der Hund «nackt» durch den Metalldetektor geht. Danke an Team Anuk für die Anfertigung einer Retrieverleine ohne Metallteile, so konnte ich Yaska wenigstens an einer Leine durch die Kontrolle führen. Im Flugzeug gab es auch keinerlei Probleme, Yaska durfte mit mir in die Kabine. Das Flugzeug war komplett ausgebucht, daher musste ich mich mit einem normalen Economy-Sitz begnügen. Besonders viel Platz für den Hund blieb da nicht. Erstaunlicherweise war das für Yaska kein grosses Problem und sie legte sich sogleich zwischen meine Beine. Ich hatte eigentlich etwas Angst, dass sie sich im Flugzeug zu unruhig verhalten könnte, da sie normalerweise nicht gerne an engen Orten liegt. Doch wider Erwarten lag sie den ganzen Flug ruhig bei meinen Beinen. Beim Start war ihr etwas unwohl, doch danach hat sie den ganzen Flug lang geschlafen. Es war auch kein Problem, dass sie zeitenweise einen Teil des Ganges für sich beansprucht hat. Sogar ich konnte während dem Flug schlafen, aber etwas weniger als sonst. Früher hatte ich  wegen der Narkolepsie immer fast den kompletten Flug inkl. Start verschlafen. Dieses Mal habe ich mich am Anfang voll auf Yaska konzentriert und so bin ich erst nach dem Start eingeschlafen. Es verlief alles gut, fast schon zu gut. Bis zu der Einreise, die ein reines Desaster war. Das Problem war, dass weder ich noch Swiss Yaska beim Flughafen Heathrow im Voraus angemeldet haben. Daher hatte ich kein «pre approval form», das anscheinend nötig gewesen wäre für die Einreise. Ich selbst habe nur die offizielle Website des UK Government gecheckt für die Einreise mit Haustieren/Assistenzhunden. Nur leider stand dort kein Wort, dass man sich im Voraus melden sollte bzw. dass es je nach Flughafen unterschiedlich ist. Auf jeden Fall musste ich dann etwa 1.5h am Zoll warten. Die eine Mitarbeiterin war sehr unfreundlich (alle anderen waren freundlich, nur war sie glaube ich ranghöher und hatte das Sagen) und hat meinen zwei Kolleginnen verboten bei mir zu warten, obwohl ich extrem müde und gestresst war. Was man mir auch angesehen hat. Schlussendlich hat es mit der Einreise geklappt, da ich natürlich alle Voraussetzungen wie Tollwutimpfung und Entwurmung etc. erfüllt hatte. Nur musste ich 450 Pfund (!!) bezahlen, da war ich total geschockt. Es ist tatsächlich so, dass es auch mit Voranmeldung 390 Pfund gekostet hätte. Eine richtige Frechheit, nur dafür, dass jemand kommt und kurz die Dokumente überprüft und man selbst den Chip ablesen muss. Übrigens war es von Swiss illegal, dass Yaska mitgereist ist, da sie keine Dokumente überprüft haben (hätten sie mir das alles im Voraus mitgeteilt oder beim Check in, wäre mir die ganze Wartezeit und Stress erspart geblieben). Laut dem Animal Center am Heathrow ist Swiss allgemein nicht berechtigt Assistenzhunde in der Kabine nach England zu fliegen. Swiss hingegen meint, sie wissen nichts davon. So oder so würde ich von Englandreisen abraten, zumindest via Heathrow. Wie ich es verstanden habe, gibt es keinen Weg einen Assistenzhund von Swiss HelpDogs legal in der Kabine nach England/Heathrow zu bringen. Swiss ist anscheinend nicht dazu berechtigt und die Fluggesellschaften, die es sind, anerkennen Assistenzhunde von Swiss HelpDogs nicht (nur solche die in irgendeiner Association Mitglied sind) und lassen sie daher nicht in die Kabine. Nach den Strapazen am Flughafen ging es weiter mit einer Stunde Fahrt in der komplett überfüllten U-Bahn. Yaska hat entspannt geschlafen, doch ich bin auf Grund von Stress, Müdigkeit, zu vielen Leuten und extremer Hitze fast durchgedreht und hatte schlussendlich eine Panikattacke (wenigsten blieben in diesem Moment Kataplexien fern, das hätte gerade noch gefehlt). So etwas kenne ich sonst eigentlich nur von Nebenwirkungen von Medikamenten. Zum Glück hatte ich zwei sehr gute Kolleginnen, die mich beruhigten, und Yaska dabei. Danach folgte eine zweistündige Zugfahrt. Der Zug war zum Glück klimatisiert und ich konnte mich endlich auch etwas erholen und schlafen. Zu guter Letzt mussten wir noch zu der Wohnung in Bournemouth laufen. Langsam war Yaska auch komplett übermüdet von der langen Reise und nicht mehr zu gebrauchen. Sie wollte nur noch Vögel jagen und schnüffeln. Somit zog ein zog 15kg schwerer Hund voraus und ich zog einen 15kg schweren Koffer hinter mir her. Mein Rücken lässt grüssen. Doch wir haben alles geschafft und die Ferien konnten endlich beginnen. Nach den Strapazen der Anreise konnten wir die Ferien tatsächlich geniessen. Yaska liebt das Meer und vor allem den Sandstrand über alles. Da sie gerade läufig war, konnte sie leider nicht frei mit den anderen Hunden herumtollen. Das hat ihr weniger gut gefallen. Die Rückreise war wieder extrem lange, aber verlief problemlos. Heathrow hatte einen vorbildlichen Umgang mit Assistenzhunden (zumindest bei der Abreise…). So konnten wir bei der Security Kontrolle sofort ganz nach vorne und der Hund konnte neben dem Metalldetektor durch und ich musste nicht mal durch den Body-Scanner. Der Rückflug war ziemlich turbulent, was Yaska etwas verunsichert hat. Trotzdem blieb sie den ganzen Flug ruhig liegen. In der Schweiz interessierte sich niemand für den Assistenzhund und ich konnte einreisen ohne dass etwas kontrolliert wurde. Die Akzeptanz von Assistenzhunden war in England enorm viel grösser als in der Schweiz. Es war wirklich erstaunlich und extrem ungewohnt, aber abgesehen von der Anreise hatten wir keinerlei Zutrittsprobleme. Es war immer selbstverständlich, dass Assistenzhunde erlaubt sind. In Lebensmittelgeschäften wurde ich sogar komisch angeschaut, als ich mich mit dem Assistenzhund «anmeldete». Ausserdem wurde ich die ganzen Ferien lang nie von fremden Personen angesprochen und niemand interessierte sich für persönliche Details über meine Krankheit. Nur ganz selten wollte jemand den Hund streicheln. Fast alle Hundebesitzer haben ihre Hunde automatisch zur Seite genommen, sobald sie die Kenndecke von Yaska sahen. Wie oben beschrieben, war auch der Umgang am Flughafen bei der Abreise komplett anders und viel professioneller als in der Schweiz. Kurz nach der Landung in Zürich wurde ich sofort wieder von fremden Personen frech und hartnäckig angesprochen, was denn dieser Hund genau für eine Aufgabe habe. Es war so unglaublich angenehm mich endlich nicht immer rechtfertigen zu müssen und nicht die ganze Zeit angesprochen zu werden. An das könnte ich mich auch in der Schweiz gewöhnen.. Yaska hat die ganze Reise einfach bravourös gemeistert. Ich muss wirklich sagen, dass sie sich kaum besser hätte verhalten können. Sie war von a bis z in jeder Situation ruhig und entspannt (ausser am Abend der Anreise, da war sie komplett durch). Sie konnte das erste Mal in ihrem Leben einfach Fuss an anderen Hunden vorbeilaufen. Auch in Menschmassen (unglücklicherweise war gerade ein riesiger Anlass, eine Airshow, in Bournemouth) blieb sie bei mir und ungestresst. Nur Kinder, die schreiend ganz nahe an ihr vorbei rennen, mochte sie immer noch nicht wirklich, aber es bessert sich langsam. Alle langen Wartezeiten am Flughafen, im Bus, Zug, U-Bahn und Flugzeug sowie die unzählige Restaurant- / Cafebesuchen und Shopping hat sie absolut vorbildlich gemeistert. Ich habe meinen Hund zum Teil selbst nicht wiedererkannt. Ich bin richtig stolz auf Yaska, vor allem wenn man bedenkt, dass sie mit 11 Monaten noch mitten in der Pubertät ist und zusätzlich auch gerade das erste Mal läufig war. Einige Tage vor der Reise habe ich mir tatsächlich überlegt alles abzusagen, weil ich dachte, dass es vielleicht doch noch zu früh ist für Yaska. Doch es hat sich gezeigt, dass sie einfach toll und nicht zu unterschätzen ist. Sie hat die Reise gesamthaft besser gemeistert als ich und mich unterstützt, genauso wie meine zwei Kolleginnen. Danke!


Team Samuela 6.8.2019

Ich bin stinksauer!  Sam und ich waren unterwegs... mit der Therapiegruppe im Tierpark. Scheinbar war auch eine Gruppe Eltern mit geistig behinderten Kindern unterwegs und blöderweise ziemmich genau gleichzeitig. Das eine Kind kann sich nicht beherrschen, wirft sich nach vorne und grapscht nach dem Hintern meines Hundes. Ich hatte es im Auge und lenke seine Hand mit meinem Arm ab. Ich habe das Kind nicht festgehalten, ich habe es nicht geschupst, ich habe einfach nur die "Flugbahn" seiner Hand mit meinem Unterarm umgelenkt. Mutter: "hahaha ups. Den Hund darfst du nicht anfassen" Ein paar Meter weiter (im Zoo/Tierpark) bleibt man ja auch mal stehen. Dasselbe Spiel in grün, gleiches Kind, gleiche Mutter die nicht schaut. Mein Hund HINTER mir, da ich schon mit sowas gerechnet habe. 20m Weiter wieder exakt dasselbe mit den gleichen Personen. Wieder ca. 20m weiter noch einmal dasselbe. Diesmal reagiert die Mutter. Aber nicht etwa auf ihr Kind, nein. Säuerlich richtet sie sich an mich: "Der Hund würde ihm bestimmt nichts tun auch wenn er noch in der Ausbildung ist. Wissens sie, ich kenne mich mit Hunden aus." Von mir ein ziemlich dummer, fragender Blick. Mutter: "Sie haben nämlich nicht ein fremdes Kind anzufassen!" Da wurde ich dann sauer. Ja, das Kind kann nichts dafür das es geistig behindert ist, aber die Mutter, dass sie nicht darauf achtet, das sie ihr Kind festhält wenn sie an einem Hund vorbei läuft. Wir waren IMMER am Rand und ich stand VOR Sam damit sie abgeschirmt ist. Sauer wie ich war bemerkte ich spitz:"ich führe meinen Hund an der Leine damit er nicht zu jedem hin rennt!"  Ich bin so so so stinksauer wie ignorant manche Menschen sind und einfach keinen Respekt vor NICHTS haben. Ihnen gehört die Welt und sie können tun und lassen was sie wollen!

Team Zilly 05.06.2019

Wenn eine Trainingsstunde aus den Fugen gerät… Einkaufen zu gehen ist für mich eine grosse Herausforderung. Einkaufen in einem Grossverteiler mit inkompetentem, ungeschultem Personal eine Qual und unnötige Triggersituation.  Ich weiss, dass mir mit Zilly als meiner Assistenzhündin viele ungeahnte Herausforderungen begegnen. Ich weiss, dass Zilly für viele Menschen ein süsser Hund ist, den sie gerne streicheln möchten. Ich weiss, ich sehe nicht handicapiert aus. Nichts an mir deutet darauf hin, dass ich auf einen Assistenzhund angewiesen bin. Wenn man mir begegnet, so käme niemand auf den Gedanken, dass ich mit einer K-PTBS, Sozialphobie und Agoraphobie lebe. Wenn Zilly und ich offensichtlich beobachtet werden, bemerkt niemand, dass ich innerlich schier durchdrehe und ich mich absolut wehrlos und vor allem bedroht fühle. Ich am liebsten flüchten möchte. Wenn ich mich dann aber dazu überwinde, nach einem langen innerlichen Kampf, die mich anstarrende Person darauf hinzuweisen, dass sie mich bitte nicht anstarren soll, ist das keine Bitte mehr, sondern eine Notwendigkeit, um mich vor einer dissoziativen Starre zu schützen. Wenn ich also an der Selbst-Bezahl-Kasse meinen Einkauf einscanne, und meine Bitte mit „es ist mein Job Sie anzustarren, stellen Sie sich nicht so an“ abgetan wird, habe ich einen Nervenzusammenbruch vom feinsten. Immer. Jedes einzelne Mal. Wenn das ganze dann noch getopt wird, indem man von Zilly einfordert, dass sie sich bitte beruhigen soll, nachdem sie die für mich so triggernde Person angebellt hat, dann löst das bei mir ein Erstarren-Kampf-Flucht Programm aus. Das ich weder steuern noch beeinflussen kann. Und ein Symptom meiner Erkrankung ist. Also habe ich heute in besagtem Grossverteiler zuerst eine Lähmung der Beine und verkrampfen des Oberkörpers erlebt. Anschliessend sind mir die Beine weggeknickt (ich sitze nun an der Kasse auf dem Boden), meine Fähigkeit logisch zu denken schaltet sich aus. Ich kann weder vor noch zurück. Bin gefangen in meinem Körper auf dem Boden. Zilly bellt die betreffende, ungeschulte und sehr unfreundliche Person an. Und da es in mir, wie ich jetzt gelernt habe, so massiv viel Wut auslöst, wenn Zilly angefeindet wird, habe (wurde) ich in den Kampf-Modus umgeschaltet. Schreie in einem vollen, grossen Lebensmittelgeschäft die betreffende Person mit „Arschloch“ an und weil uns darauf (verständlicherweise), die gesamten Menschen beobachten, geht nur noch Flucht. Ich renne davon. Mit Zilly, meiner treuen Seele im Schlepptau. Ohne Ziel, ohne Kontrolle über den Körper, ohne Möglichkeit, diese Situation irgendwie noch zu steuern. Ich bin all dem einfach ausgeliefert. Laut schluchzend renne ich also an allen Kassen vorbei, aus dem Geschäft hinaus und weiter, bis ich schluchzend an einer Wand zusammenbreche. Und warum das Ganze? Weil eine inkompetente Mitarbeiterin an der Kasse steht, mich anstarrt und nach der Bitte aufzuhören, mich dumm anmacht. Danke du sch*** A***. Ich muss mich jetzt irgendwie wieder sammeln, irgendwie Energie zurückgewinnen, von der ich eh schon zu wenig habe. Ich muss jetzt mit dadurch ausgelösten Schmerzattacken klarkommen. Ich muss mich mit den Scham-und Schuldgefühlen, die Kontrolle verloren zu haben auseinandersetzen. Ich muss damit leben, als handicapierte Person kein Mitglied dieser Gesellschaft zu sein. Damit leben, dass die Integration handicapierter Mitmenschen eben doch nur ein schönes Wort ist, ohne Bedeutung und vor allem ohne Taten. Also ja, ich bin gerade wieder einmal sehr wütend, enttäuscht und unendlich erschöpft. Weil ich um etwas kämpfen muss, was für einen Grossteil unserer Bevölkerung einfach normal ist. Etwas ist, worüber sie sich nicht einmal Gedanken machen müssen. Und das tut weh und macht müde. Was ich gelernt habe? Zilly ist die beste Assistenzhündin, die ich mir wünschen kann. Sie hat mich beruhigt, sie hat „den Feind“ vertrieben (das darf sie später natürlich nicht mehr, aber wir sind ja noch im Training), sie hat mich getröstet, sie war einfach an meiner Seite. Und sie hat schon im Voraus angezeigt, dass ich am Kriseln bin. Auf meinen Hund ist Verlass

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